Florida (USA) ist nicht nur Disney-World

Es wäre gelogen, würde ich sagen, ich bereiste Florida einzig und allein der Spinnen wegen. Nein, aber hier und da gibt es Tage, da haben meinen Frau und ich andere Interessen, oder unser Ausflugsziel bietet für beide etwas. Es sei vorweggenommen, das wir nun seit 11 Jahren an die sonnige Ostküste der USA reisen. Seit dieser Zeit beobachte ich, teils mehr teils weniger, die dortige Fauna. Aber auch in einem, oder gerade in so einem kultiviertem Land, musste ich immer mehr erkennen, dass auch dort, nicht gerade zimperlich mit der Natur umgegangen wird. Schuld ist in erster Linie natürlich die stetig wachsende Bevölkerungszahl, welche Wohnflächen benötigt und gerade, eben die USA, größer als anderswo auf der Welt. Zum anderen benötigen die Menschen Nahrung und Arbeitsplätze, was zusätzliche freie Flächen benötigt. Doch woher nehmen. Florida ist umgeben, im Westen und Süden, von den Everglades


Ein einzigartiges Naturschutzgebiet

und im Osten vom Atlantik. Bleiben eben nur die Everglades. Eigentlich als Naturschutzgebiet anerkannt, finden jedoch gewiefte Geschäftsleute immer wieder Flächen, welche zur Rodung, Trockenlegung und anschließend zum Bebau freigegeben werden. So schrumpft dieses einzigartige Naturschutzgebiet immer weiter und der Lebensraum vieler Tiere wird immer kleiner und somit auch die Anzahl der Tiere und Arten. Als interessierter der Arachnidenfauna, fällt es mir natürlich besonders bei dieser Familie auf. Bei den wenigen aber dafür sehr guten Freunden in diesem Land, wo z.B. das Interesse mehr im Reptilien,- oder Säugetierbereich liegt, wurden diese Rückgänge in deren Sparte ebenfalls festgestellt. Im gesamten Bereich der Entomologie kommt erschwerend hinzu, dass dort lange Zeit noch mit DDT Insekten vernichtet werden, was sich auch im Nahrungsangebot der höherrangigen Tiere ausschlägt.

Aber nun zurück zur Arachnidenfauna. Bei unseren ersten Reisen sahen wir in sämtlichen Zoos und Vergnügungsparks die bis dato häufig vorkommenden Argiopen

 

 

Silber Argiope (Argiope argentata)

Diese 12 bis 16 mm Großen Seidenspinnen sind in der gesamten südlichen Hälfte Amerikas beheimatet. Ihre bis zu 1 m² großen Netze sind X-förmig gebaut und sind nur im direkten Sonnenlicht anzutreffen. So wird die Art auch als Sonnenspinne in den USA genannt. Ebenso wie diese Gattung ist die einzige Nephila Art in Florida anzutreffen.

Goldene Seidenspinne (Nephila calvipes)

Nephila calvipes ist eine mittelgroße Art der Radnetzspinnen. Die Weibchen, immer wesentlich größer als die Männchen (ca. 4 mm), erreichen eine Größe von 20 – 25 mm, was eine Spannweite von über 100 mm ergibt. Auch diese Tiere lieben die Sonne, doch nicht in direkter Bestrahlung sondern eher in Waldgebieten, wo das Sonnenlicht nur teilweise durchdringt.

Was mich am meisten enttäuschte war der Rückgang der sehr skurrilen „Crablike Spiny Orb Weaver“ also einer krabbenähnlichen Gartenspinne

Krabbenspinne (Gasteracantha elipsoides)

Die Tiere der Gattung Gasteracantha mögen im Gegenteil zu den vorher genannten Seiden,- und Ratnetzspinnen, überhaupt keine Sonnenstrahlen. So findet man deren spiralförmige, etwa 60 cm ² große Netze auch nur im Schatten. Fanden wir vor einigen Jahren, bei unseren Besuchen in Zoos noch unzählige Netze mit diesen Tieren, so waren es im vergangenen Jahr lediglich 5 Exemplare die wir sichteten. Die Tiere zu fangen und als tolle seltene Tiere mit nach Hause zu bringen, kann ich keinem empfehlen. Gasteracantha elipsoides hat eine Lebenserwartung von lediglich einem Jahr und muss somit weitergezüchtet werden, will man länger Freude an diesen Tieren haben. Zum anderen ist die Unterscheidung der Geschlechter mit dem bloßen Auge kaum möglich. Die Männchen bleiben zwar um einiges kleiner, aber wer will Wissen ob es sich nicht um Jungtiere handelt. Sollte das Weibchen dann einen Eisack bilden, muss dieser bei ca. 20° C überwintert werden. Im Frühjahr können dann die Jungtiere schlüpfen welche etwa die Größe eines Kopfes einer mittelgroßen Stecknadel haben. Und das geht garantiert schief. Aus diesem Grunde sollten die Tiere da bleiben wo sie sind. Einfacher zu halten und zu züchten sind größere Tiere z.B. der Gattung Heteropoda, Selenops, Pisaurina und Olius.

Jagdspinne (Heteropada venatoria) Krabbenspinne (Selenops spec. )

Schwestern Spinne (Pisaurina mira)

Goldene Jagdspinne (Olius fasciculatus)

Alle diese Gattungen und deren oben abgebildeten Arten sind unter anderem in Florida beheimatet und kommen dort in großer Zahl vor. Die Männchen sind von allen Gattungen wesentlich kleiner und leicht zu unterscheiden, denn man kann hier die Klaas-Methode anwenden indem Ihr euch an der Unterseite des Tieres, die Verbindung zwischen Vorderkörper (Prosoma oder Cephalothorax) und Hinterleib (Abdomen oder Opisthosoma) anschaut. Dort seht ihr etwas unter diesen beiden Körperteilen den Pediculus, es ist entweder eine unbehaarte oder dunkle Stelle. Bei diesem Fall handelt es sich um ein Männchen. Ist die Stelle heller oder behaart, handelt es sich um ein Weibchen.

Die spätere Aufzucht der Jungtiere ist ebenfalls unproblematisch, denn die Jungtiere fressen mühelos Fruchtfliegen (Drosophila).

Die letzte, in Florida häufig vorkommende Familie, ist die der Springspinnen (Salticidae)

Springspinne (Phidippus audax)

Der Vertreter der Gattung Phidippus namens audax ist mir dort öfter aufgefallen, obwohl das Verbreitungsgebiet dieser Gattung eher weiter nördlich ist. Weitere Vertreter, wie z.B. der Gattung Metaphippus hingegen sind nicht mehr so zahlreich vorkommend.

Ihr seht und dies nur nicht an den Bildern, das es auch in Ländern ohne oder mit nur seltenem

Vogelspinnenvorkommen interessante Arachniden zu finden und zu beobachten gibt. Nimmt man sich dann ein Buch zur Hand oder sucht im Internet nach diesen Tieren, lässt sich auch hier eine interessante Forschungsreise starten.

Quellen:

Society Field Guide to North America – National Audubon Society (Lorus and Margery Milne, University of New Hampshire - 1980

Spiders and their Kin – St. Martins Press – Herbert W. Levi Museum of Comparative Zoology Harvard University

Vogelspinnen – Ulmer Verlag – Peter Klaas